{"id":50,"date":"2014-03-20T13:42:39","date_gmt":"2014-03-20T11:42:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.buergel-schule-eberswalde.de\/wp\/?page_id=50"},"modified":"2020-01-20T20:12:55","modified_gmt":"2020-01-20T18:12:55","slug":"geschichte-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.buergel-schule-eberswalde.de\/index.php\/bruno-h-buergel-grundschule\/geschichte-2\/","title":{"rendered":"Geschichte"},"content":{"rendered":"<h2>Aus der Geschichte der Bruno-Hans-B\u00fcrgel-Grundschule in Eberswalde<\/h2>\n<div><span style=\"line-height: 1.5em;\">Im Jahr 2000 wurde feierlich das 100-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um unserer Schule begangen. Ein wichtiges Anliegen w\u00e4hrend der Vorbereitungen war u.a. die Aufarbeitung und Dokumentation der eigenen Schulgeschichte. Es stellte sich bei den Recherchen jedoch bald heraus, dass viele Schulunterlagen 1945 sowie bei der umfangreichen Rekonstruktion 1990\/91 verloren gegangen waren. Die nachfolgenden Ausf\u00fchrungen beruhen auf den damaligen Nachforschungen im Kreisarchiv Barnim, im Aktenbestand des Bauordnungsamtes\u00a0und\u00a0im Museum der Stadt Eberswalde, in den noch erhaltenen Chroniken unserer Schule sowie auf Erlebnisberichten ehemaliger Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, Lehrerinnen und Lehrer. Sie entsprechen im Wesentlichen der damals erschienenen Festzeitung. Das Material reichte jedoch nicht aus, um eine vollst\u00e4ndige Chronik zu erstellen. Somit haben wir uns auf einige Episoden aus den \u00fcber hundert Jahren Schulgeschichte beschr\u00e4nkt.<\/span><\/div>\n<div>\n<p>Nahe dem Ortsausgang von Eberswalde in Richtung Bad Freienwalde erhebt sich an der Breiten Stra\u00dfe die Bruno-Hans-B\u00fcrgel-Grundschule. Hoch oben auf einem Gel\u00e4nde erbaut, auf dem einst eine Burg gestanden haben soll, ist sie seit dem Jahr 1900 weithin sichtbar. Generationen von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern, Lehrerinnen und Lehrern stiegen seither die Treppen hinauf, um zu lernen und zu lehren. Sie ist ein typischer Schulbau der Jahrhundertwende und noch weitgehend im Originalzustand erhalten. Das Geb\u00e4ude wurde fast durchg\u00e4ngig als Schule genutzt.<\/p>\n<h3>Der Bau der Dritten B\u00fcrgerschule<\/h3>\n<p>Die rasche wirtschaftliche und bauliche Entwicklung im ausgehenden 19. Jahrhundert lie\u00df die Bev\u00f6lkerungszahl in Eberswalde ansteigen. Somit erh\u00f6hte sich auch die Sch\u00fclerzahl. Die bisherige B\u00fcrgerschule I (Kirchstra\u00dfe 8 \u2013 ehem. Knabenabteilung, von 1960 bis 1997 Museum sowie Pfeilstra\u00dfe 1 \u2013 ehem. M\u00e4dchenabteilung, Abriss des Geb\u00e4udes 1977) und B\u00fcrgerschule II (bis 2009 Grundschule Mitte) reichten nicht mehr aus. In einer damaligen Stadtverordnetenversammlung wurde \u00fcber den Bau einer neuen Schule diskutiert, den jedoch nicht alle Abgeordneten bef\u00fcrworteten. Dennoch begann man mit den Vorarbeiten. Als erste Standorte kamen zun\u00e4chst verschiedene stadteigene Grundst\u00fccke in Frage. In sechs Sitzungen wurden die Varianten gepr\u00fcft und von allen Seiten beleuchtet. F\u00fcr den Neubau im \u201eEichwerder Viertel\u201c gab es die Projekte I bis IV, deren finanzieller Aufwand unterschiedlich war. Einige Stadtverordnete hielten den Neubau in diesem Gebiet wegen des fehlenden \u201eerheblichen\u201c Zuwachses der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr sehr bedenklich. Ebenso sorgte man sich um den f\u00fcr die Kinder \u201egef\u00e4hrlichen\u201c Treppenaufstieg. Auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung wurde f\u00fcr die Umsetzung des Projektes IV der Ankauf des \u201eSievert`schen Landes\u201c am 14.07.1898 get\u00e4tigt. Die B\u00fcrgerschule III sollte f\u00fcr 280 000 Mark errichtet werden \u2013 20 000 Mark aus dem Etat von 1899 und die restliche Bausumme in einer F\u00fcnfjahresanleihe. Baubeginn war der Sommer 1899 &#8211; nach Pl\u00e4nen des damaligen Stadtbaurates Reinhold Hagen. Vorausschauend errichtete man ein Geb\u00e4ude f\u00fcr 24 Klassen, obwohl damals nur eines f\u00fcr 12 Klassen ben\u00f6tigt wurde. Als bauliches Vorbild diente die B\u00fcrgerschule II (1974\/75 rekonstruiert, baulich stark ver\u00e4ndert). Die fr\u00fcher \u00fcbliche Trennung von M\u00e4dchen und Jungen wurde bei den Bauentw\u00fcrfen und der Bauausf\u00fchrung ber\u00fccksichtigt. So gab es zwei separate Eing\u00e4nge, den n\u00f6rdlichen nutzten die Jungen, den s\u00fcdlichen die M\u00e4dchen. Die Bauarbeiten dauerten etwa ein Jahr.<\/p>\n<p>\u00dcber die feierliche Einweihung berichtete der Preu\u00dfische Stadt- und Landbote am 18.10.1900 unter anderem:<\/p>\n<p><em>\u201e Die Einweihung der B\u00fcrgerschule III fand heute Mittag in der festlich geschm\u00fcckten Aula des neuen Schulgeb\u00e4udes statt. Der Feier wohnten als Vertreter des Magistrats die Herren B\u00fcrgermeister Hopf und Stadtbaurat Arndt bei, ferner waren zugegen die Mitglieder der Schuldeputation, die Herren Stadtverordneten B\u00fcscher und H. Wagner, der Kreisschulinspektor, Herr Pfarrer Dr. Brandt, der Leiter der h\u00f6heren M\u00e4dchenschule, Herr Direktor Wenzel, sowie das Lehrerkollegium der B\u00fcrgerschule III. Auch einige M\u00fctter waren erschienen und bekundeten so ihr Interesse f\u00fcr die Schule. Im \u00dcbrigen war der Raum gef\u00fcllt mit Kindern der oberen Klasse. \u2026 Es folgte nunmehr die Weiherede des Herrn Rektor Koehler, der das neue Schulhaus als einen Bau kennzeichnete, der sp\u00e4teren Geschlechtern ein stummer Zeuge des Geistes unserer Zeit sein wird und ein Denkmal daf\u00fcr, welche Gesinnung und welches Bestreben die M\u00e4nner beseelte, die ihn beschlossen und errichtet haben. Der Redner beleuchtete dann die Aufgaben der Schule \u2026\u201c<\/em><\/p>\n<h3>Ausz\u00fcge aus dem Schulalltag der \u201ealten\u201c Zeit<\/h3>\n<p>Dem 1. Jahresbericht 1901 des Rektor Koehler ist unter anderem folgendes zu entnehmen: Die Schule war mit 11 Knaben- und 11 M\u00e4dchenklassen belegt. Insgesamt wurden 1059 Kinder von 22 Lehrkr\u00e4ften unterrichtet. Im Jahre 1900 waren erstmalig Schul\u00e4rzte f\u00fcr die st\u00e4dtischen B\u00fcrgerschulen angestellt worden, die den Gesundheitszustand der Kinder \u00fcberwachten. Bem\u00e4ngelt wird in dem Bericht, dass die \u201ek\u00f6rperliche Erziehung der Kinder nicht in dem w\u00fcnschenswerten Ma\u00dfe\u201c gepflegt werden konnte, da keine Turnhalle zur Verf\u00fcgung stand und \u201edas Turnen im Freien wegen des ung\u00fcnstigen Winterwetters vielfach unm\u00f6glich war\u201c. Der Bau der Turnhalle erfolgte im Jahre 1903 nach Pl\u00e4nen des Stadtbaurates Arndt. Er kostete 28 207,22 Mark. Die Ausstattung und Ger\u00e4teausr\u00fcstung galt seinerzeit als musterg\u00fcltig.<\/p>\n<p>\u00dcber die ersten Jahre der B\u00fcrgerschule III berichtete der Lehrer Paul Deichen in einem Artikel f\u00fcr den M\u00e4rkischen Stadt- und Landboten vom 17.10.1925 anl\u00e4sslich des 25-j\u00e4hrigen Bestehens der Schule. Als Problem schilderte er, dass \u201enamentlich die j\u00fcngeren Kollegen so wenig se\u00dfhaft seien\u201c und ihre Sehnsucht nach der \u201eallen selig machenden Gro\u00dfstadt\u201c schon nach kurzer Zeit daf\u00fcr sorgte, dass sie die Schule wieder verlie\u00dfen, sodass das Lehrerkollegium in dieser Zeit einem \u201eTaubenhause\u201c glich. Rektor Koehler, der die Einrichtung von 1900 bis 1903 leitete, war bekannt \u201ef\u00fcr seine P\u00fcnktlichkeit und peinliche Pflichterf\u00fcllung\u201c. Deichen erz\u00e4hlte von einem sonnigen Herbsttag, an dem in den Sommerfelder H\u00f6hen ein Herbstman\u00f6ver stattfand. Aus diesem Anlass hatten alle Eberswalder Schulen frei, nur die III. nicht. Die Regimenter zogen die Breite Stra\u00dfe hinauf, mit viel L\u00e4rm und Musik, w\u00e4hrend die Kinder in den Klassenzimmern schwitzten. Als der Rektor am Nachmittag zwischen 3.00 und 4.00 Uhr im Mathematikunterricht erscheint, schimpft er: \u201eUnaufmerksame Krabbe!\u201c \u201eIhr pa\u00dft nicht auf, konzentriert euch nicht!\u201c Aber die M\u00e4dchen haben nur Ohren f\u00fcr das lustige Treiben. Deichen schrieb: \u201e13 + 4 bleibt heute konstant 28 trotz der verflixten Krabbe und der lieblichen Verhei\u00dfung auf ein Sitzenbleiben zu Ostern.\u201c Zur Vermeidung des einj\u00e4hrigen Sitzenbleibens hatte man sogenannte \u201eDoppelklassen ab Ostern\u201c eingerichtet, die bei spezieller F\u00f6rderung schon parallel zu den regul\u00e4ren Klassen nach einem halben Jahr versetzt werden konnten.<\/p>\n<p>Der Erste Weltkrieg brachte auch f\u00fcr die Kinder und Lehrkr\u00e4fte eine entbehrungsreiche Zeit. Ein Lehrer und mehrere Sch\u00fcler waren gefallen.<\/p>\n<p>Aus seiner Schulzeit an der B\u00fcrgerschule III erz\u00e4hlte uns Herr Arnfried Meng die folgende Episode: Er besuchte die Klasse 5 zweimal, ohne sitzen geblieben zu sein. 1936 wurde er in die 8. Klasse eingeschult. Als er die ersten vier Schuljahre absolviert und bis in Klasse 5 aufger\u00fcckt war, begann man 1941 die Schuljahre in der heutigen Reihenfolge zu z\u00e4hlen. So lernte Herr Meng nun das zweite Mal in der 5. Klasse, war aber nie Sch\u00fcler der Klasse 4.<\/p>\n<p>1939 berichtete der M\u00e4rkische Stadt- und Landbote: Mit 2900 Knaben- und 2850 M\u00e4dchenbesuchen in der st\u00e4dtischen Badeanstalt am Finowkanal war die B\u00fcrgerschule III \u201eschwimmfreudigste Schule\u201c des Jahres. Die M\u00e4dchen \u00fcberboten damit alle bisherigen Rekorde.<\/p>\n<p>Einschneidende Ver\u00e4nderungen f\u00fcr den Schulbetrieb brachte der Zweite Weltkrieg. 1945 erfolgte die Einrichtung eines russischen Lazarettes in der Schule. Der langj\u00e4hrige Rektor Haug \u00e4u\u00dferte sich in einem Bericht am 29.05.1945 \u00fcber den Zustand der Schule:<\/p>\n<p><em>\u201eSie hat die Kriegsereignisse verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gut \u00fcberstanden. Das Dach hat zwei kleine Treffer erhalten. Diese Sch\u00e4den m\u00fcssen noch repariert werden. Das Inventar der Schule an B\u00e4nken, Schr\u00e4nken, Tafeln usw. befand sich zum gr\u00f6\u00dften Teil in der Turnhalle. Es bestand also die M\u00f6glichkeit, die B\u00e4nke schnell wieder in die Schule zu schaffen. Leider sind fast s\u00e4mtliche Fenster zerst\u00f6rt. Auch die Verglasung mu\u00df noch vorgenommen werden. Das Schulhaus ist aber gereinigt und 26 Klassenr\u00e4ume sind mit B\u00e4nken f\u00fcr die Aufnahme von je ca. 50 Kindern bestellt. Die gesetzte Frist, das Geb\u00e4ude bis Dienstag, den 29.5.45 abends betriebsf\u00e4hig herzurichten, konnte nicht ganz eingehalten werden, doch ist mit der Beendigung der allerwichtigsten Arbeiten f\u00fcr den 30.5. zu rechnen. Nat\u00fcrlich konnten nicht alle Sch\u00e4den, die besonders durch die Einrichtung der Schule zu einem russischen Lazarett entstanden waren, beseitigt, sondern nur notd\u00fcrftig behoben werden. Im Ganzen aber ist die sofortige Aufnahme des Schulbetriebes in der warmen Jahreszeit m\u00f6glich, auch wenn die Fenster erst allm\u00e4hlich mit Glas versehen werden. Die Schule hatte bisher ca. 1600 Kinder. Diese 1600 Kinder konnten unterrichtet werden, weil f\u00fcr mehrere Klassen nacheinander das Klassenzimmer ausreichte. Es ist also damit zu rechnen, da\u00df alle Schulkinder, die bisher der Schule angeh\u00f6rten, unterrichtet werden und noch weitere aus den angrenzenden Bezirken. Das ist auch n\u00f6tig, weil die B\u00fcrgerschule in der Grabowstra\u00dfe ausgebrannt ist.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Am 26. Juli 1945 begann der Unterricht in der Schule \u2013 jetzt Grundschule III, die bis zur 8. Klasse f\u00fchrte. Er musste aber am 7. September aufgrund der Typhusgefahr wieder f\u00fcr einige Wochen unterbrochen werden.<\/p>\n<p>Nur ganz allm\u00e4hlich normalisierte sich das allt\u00e4gliche Leben, wie man aus folgenden kurzen Episoden ersehen kann:<\/p>\n<p>Der Schulchronik ist zu entnehmen, dass die Schule im Winter 1946\/47 von Januar bis M\u00e4rz geschlossen werden musste, da keine Kohlen vorhanden waren. H\u00e4ufig kamen die Kinder in schlechter Kleidung und unterern\u00e4hrt zur Schule. Jedes Kind war dankbar, dass es in der Schule t\u00e4glich ein Roggenbr\u00f6tchen (Salzkuchen) bekam. In Strichlisten wurde \u00fcber die Vergabe Buch gef\u00fchrt. Fehlten Sch\u00fcler, so verteilte man die \u00fcbrig gebliebenen Br\u00f6tchen dem Alphabet nach. Welch ein besondere Tag, wenn es dadurch sogar zwei Br\u00f6tchen gab. Nirgends lag damals ein Kr\u00fcmel Brot umher. In vielen Familien war das \u201et\u00e4glich Brot\u201c nicht selbstverst\u00e4ndlich, wie ein Entschuldigungsbrief aus dem Jahre 1947 zeigt:<\/p>\n<p><em>\u201e\u2026 Es tut mir leid, da\u00df ich die Kinder jetzt des \u00f6fteren zu Hause behalten mu\u00df, aber mit hungrigem Magen kann ich die Kinder nicht zur Schule schicken. Nun habe ich eine Bitte an Sie. Versetzen Sie doch den Peter wenigstens versuchsweise noch mal. Ich w\u00e4re Ihnen sehr dankbar.\u201c<\/em><\/p>\n<p>\u00dcber die Umst\u00e4nde seiner T\u00e4tigkeit an der B\u00fcrgerschule III berichtet Herr Scholz in einem Brief, der uns w\u00e4hrend der Jubil\u00e4umsvorbereitungen zur 100-Jahrfeier erreichte:<\/p>\n<p><em>\u201e\u2026 Die Sch\u00fcler wurden teilweise auf den breiten Fensterb\u00e4nken der alten Schule sitzend in \u00fcberf\u00fcllten Klassen (bis fast 60 Sch\u00fcler) unterrichtet. Lehrmittel gab es kaum. So bot ich damals als Lehrer wohl auch einen gar traurigen Anblick, bei meiner Gr\u00f6\u00dfe auf 98 Pfund abgemagert, in sch\u00e4bigen, abgewetzten Kleidern, mit Latschen des im Kriege gefallenen Mannes meiner Zimmerwirtin von der Gertraudenstra\u00dfe an den F\u00fc\u00dfen. Wenn sich im damaligen Kollegium nicht etliche treue Seelen meiner erbarmt h\u00e4tten, w\u00e4re ich wohl verhungert. Aber die Geschwister Richter, Herr Setzkorn, Fr\u00e4ulein Herm, Fr\u00e4ulein Schr\u00f6der und Fr\u00e4ulein Heinrich \u2013 um nur einige zu nennen \u2013 erg\u00e4nzten zuweilen meinen Speiseplan, der aus der Zuteilung eines kleinen St\u00fcckes schwammigen Brotes und einer in allen Farben schillernden Margarineportion, die in ein St\u00fcck Zeitungspapier gepappt wurde und meist entsetzlich stank, bestand. \u2026\u201c<\/em><\/p>\n<p>1948 wurden in Eberswalde Enttr\u00fcmmerungsarbeiten durchgef\u00fchrt, an denen sich auch die Kinder der B\u00fcrgerschule III beteiligten und viele Mauersteine bargen. In einer Schulausstellung im Juli desselben Jahres wurde an einem Stand \u00fcber die Anlage einer Seidenraupenzucht berichtet. Eine Besonderheit war auch die Einrichtung einer Schuhmacherei f\u00fcr Schulkinder. Herr Perkams besohlte und flickte alte Kinderschuhe, auch solche, die die Schuhmacher in der Stadt gar nicht mehr zur Reparatur angenommen hatten. Im Verlauf von neun Monaten wurden von ihm 600 Paar Schuhe repariert. Viele Kinder besa\u00dfen jedoch gar keine Lederschuhe, sondern trugen Holzsandalen, deren Geklapper der Schule den Spitznamen \u201ePantoffelschule\u201c eintrug.<\/p>\n<h3>Ein neuer Name f\u00fcr die alte Schule<\/h3>\n<p>Ludwig Arendt schrieb die folgende Geschichte auf:<\/p>\n<p><em>\u201eBei einer Wanderung im Sommer 1948 beobachtete die Lehrerin Fr\u00e4ulein G. Richter mit ihrer Klasse 6a die Arbeit eines Tauchers im Gro\u00dfschiffahrtskanal an der Eberswalder Wassertorbr\u00fccke, die kurz vor Kriegsende gesprengt worden war und deren Eisenteile jetzt geborgen wurden. Die Jungen stellten so wissensdurstige Fragen, da\u00df Fr\u00e4ulein Richter die Arbeit des Tauchers auch noch im Physikunterricht besprach und anschlie\u00dfend in der Deutschstunde die Geschichte `John Dolland, der Taucher` von\u00a0<strong>Bruno H. B\u00fcrgel<\/strong>\u00a0mit der Klasse las. Bald darauf ging durch Zeitung und Rundfunk die Meldung vom Tode Bruno H. B\u00fcrgels. Die Klasse 6a sandte ein Beileidsschreiben an Frau B\u00fcrgel. Sie erhielt eine herzliche Danksagung: `Liebe Kinder! Habt herzlichen Dank f\u00fcr Eure guten Worte zum Tode Bruno H. B\u00fcrgels. Jetzt wird er uns keine M\u00e4rchen und Aufs\u00e4tze mehr schreiben, und ihr k\u00f6nnt nur immer wieder zu seinen alten B\u00fcchern greifen. Franziska B\u00fcrgel`.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Schon seit einiger Zeit suchte man nach einem geeigneten Namen f\u00fcr die B\u00fcrgerschule III. Da kam ein junger Lehrer, Eitel-Friedrich Scholz, auf die Idee, man k\u00f6nne aus der B\u00fcrgerschule allein durch die \u00c4nderung des zweiten \u201er\u201c in ein \u201el\u201c ohne gro\u00dfe Kosten eine \u201eB\u00fcrgel-Schule\u201c machen. Gleichzeitig sollte der neue Name f\u00fcr die Kinder eine sinnvolle Bedeutung haben. Der Vorschlag wurde angenommen. Am 15. Mai 1950 erfolge die feierliche Umbenennung.<\/p>\n<h3>Die Bruno-H.-B\u00fcrgel-Schule \u2013 eine Schule mit erweitertem Russischunterricht<\/h3>\n<p>Im Jahre 1955 wurde erstmals eine Klasse \u2013 die 3R \u2013 eingerichtet, in der ab dem dritten Schuljahr sprachbegabte M\u00e4dchen und Jungen die russische Sprache erlernten. Diese R-Klassen waren von nun an fester Bestandteil der Schule. Sp\u00e4ter existierten sogar zwei R-Klassen pro Jahrgangsstufe. Anfangs wurde Russisch im Klassenverband erteilt, dann arbeiteten die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler in zwei Gruppen. Um ihre Sprachkenntnisse anwenden zu k\u00f6nnen, wurde der Kontakt zur sowjetischen Mittelschule in Eberswalde gesucht, mit der seit 1954 ein Freundschaftsvertrag bestand. In den folgenden Jahren arbeiteten sowjetische Gastlehrerinnen f\u00fcr je zwei Jahre an der Schule und unterrichteten mit deutschen Lehrkr\u00e4ften die Gruppen im Wechsel. Die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der R-Klassen legten am Ende der 10. Klasse ihr Abitur im Fach Russisch ab. Die B\u00fcrgel-Schule war damals die einzige Schule in Eberswalde, an der es R-Klassen gab. Der erweiterte Russischunterricht endete 1989.<\/p>\n<p>Bis in die 80er Jahre weisen die Schulchroniken die wesentlichen Ereignisse und H\u00f6hepunkte im Schulalltag aus. Die M\u00e4dchen und Jungen waren Mitglieder der Pionierorganisation und ab Klasse 8 in der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Regelm\u00e4\u00dfig fanden Nachmittagsveranstaltungen zu unterschiedlichen Themen statt. 1987 gr\u00fcndeten die FDJ-ler einen Schulklub, der viel Freizeitangebote f\u00fcr die Kinder und Jugendlichen organisierte.<\/p>\n<p>Nach mehr als achtzig Jahren Unterricht wies die Schule erhebliche bauliche M\u00e4ngel auf. Deshalb beschloss der damalige Rat des Kreises Eberswalde im Dezember 1988 die Rekonstruktion. In diese Zeit fiel die politische Wende in der DDR und brachte f\u00fcr Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, Lehrerinnen und Lehrer einen aufregenden Lebensabschnitt. Im Jahre 1990 begannen umfassende Rekonstruktionsarbeiten, die sowohl das Schulgeb\u00e4ude, die Au\u00dfenanlagen als auch sp\u00e4ter die Turnhalle betrafen. W\u00e4hrend der Bauarbeiten fand der Unterricht an anderen Eberswalder Schulen statt. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten konnten nicht alle Kinder und Lehrkr\u00e4fte an ihre \u201ealte\u201c Schule zur\u00fcckkehren. Die Polytechnische Oberschule als Schulform der DDR wurde 1991 durch Grundschulen sowie Schulen der Sekundarstufe I und II abgel\u00f6st. Die Bruno-Hans-B\u00fcrgel-Schule wurde Grundschule.<\/p>\n<h3>Die Grundschule \u201eBruno-H.-B\u00fcrgel\u201c<\/h3>\n<p>Heute ist die Bruno-H.-B\u00fcrgel-Grundschule eine Schule f\u00fcr Kinder der Jahrgangsstufen 1 bis 6. Zum Einzugsgebiet geh\u00f6ren vor allem die Stadtteile Ostend, S\u00fcdend, Sommerfelde, Tornow sowie ein Teil des Leibniz-Viertels und der Stadtmitte. Seit 1991 leiten Rektorin Petra Eilitz und Konrektorin Marlen Panzer die Schule. Das Kollegium\u00a0bringt den Kindern nicht nur das Lesen, Schreiben und Rechnen bei, sondern entwickelt\u00a0auch ihr Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Natur und Gesellschaft auf der Basis der Ganzheitlichkeit. Wie \u00fcberall, sind auch die Kinder unserer Schule nicht gleich. Sie haben unterschiedliche Begabungen und Neigungen. Deshalb ist es unser Ziel, das Grundschulangebot st\u00e4ndig weiter zu entwickeln. Dabei werden wir von vielen engagierten Eltern und vor allem von unserem 1998 gegr\u00fcndeten\u00a0<strong>F\u00f6rderverein<\/strong>\u00a0unterst\u00fctzt. Neben den Regelklassen gibt es seit 1997 Sprachf\u00f6rderklassen an unserer Schule. Durch gezielte sonderp\u00e4dagogische Betreuung in Klassen mit geringer Sch\u00fclerzahl werden erfolgreich Sprachdefizite ausgeglichen, sodass die M\u00e4dchen und Jungen meist nach zwei Jahren wieder die Regelklasse ihrer Heimatschule besuchen k\u00f6nnen. Gro\u00dfe Bedeutung wird auch der kindgerechten Gestaltung des Schulhauses zugemessen. So bieten die Flure und R\u00e4ume zahlreiche M\u00f6glichkeiten zur Dekoration und Ausstellung von Sch\u00fclerarbeiten. Die Klassenr\u00e4ume erm\u00f6glichen den Kindern durch ihre Gliederung den freien Zugang zu den Unterrichtsmaterialien und die Nutzung verschiedener Funktionsbereiche So werden jahreszeitliche H\u00f6hepunkte begangen und regelm\u00e4\u00dfig Projekte zu interessanten Themen in den Schulalltag integriert. An dieser Stelle m\u00f6chten wir auf unser\u00a0<strong>Schulprogramm<\/strong>\u00a0hinweisen. Dort k\u00f6nnen die p\u00e4dagogischen Inhalte unserer Arbeit nachgelesen werden.<\/p>\n<p>Vor \u00fcber 100 Jahren sprach der erste Rektor Herr Koehler in seiner Festrede zur Einweihung der Schule mit den Worten des tschechischen P\u00e4dagogen Comenius:<\/p>\n<p><em>\u201eDie Schule soll M\u00e4nner bilden, die im Geiste weise, in ihren Handlungen geschickt und von Herzen fromm sind. Auf einem Platz erbaut, wo fr\u00fcher eine Burg stand, m\u00f6ge die neue Schule eine Warte sein und bleiben f\u00fcr Wahrheit, Freiheit und Liebe \u2026\u201c<\/em><\/p>\n<p>Dem Kollegium der Bruno-H.-B\u00fcrgel-Grundschule sind diese Inhalte, zeitgem\u00e4\u00df umgesetzt und auf alle Kinder bezogen auch Leitsatz: \u00abDie Kinder sollen mit unserer Hilfe in Kreativit\u00e4t, Beharrlichkeit und Teamgeist geschult werden, da in ihrer Hand sp\u00e4ter eine gro\u00dfe Verantwortung liegen wird. Kinder sind unsere Zukunft!\u00bb<\/p>\n<h3>Literatur und Quellen<\/h3>\n<p>Kreisarchiv Barnim:<\/p>\n<p>Preu\u00dfischer Stadt- und Landbote 11.02.1898, 07.04.1898, 17.06.1898, 30.06.1898, 06.07.1898, 14.07.1898, 22.07.1898, 17.10.1900 M\u00e4rkischer Stadt- und Landbote 17.10.1925 \u201e25 Jahre Bergakademie\u201c und 18.09.1939 Akte Kreisarchiv EA Nr. 1859: Bericht \u00fcber die Eberswalder B\u00fcrgerschulen und Vorschl\u00e4ge \u00fcber ihre Wiederer\u00f6ffnung vom 17.05.1945<\/p>\n<p>Stadt Eberswalde, Bauordnungsamt, Verwaltungsarchiv: Bauakten \u2013 3. Schule<\/p>\n<p>Museum der Stadt Eberswalde: Archiv<\/p>\n<p>Bruno-H.-B\u00fcrgel-Schule: Chroniken, Festzeitung zum 100. Jahrestag<\/p>\n<p>Erlebnisberichte ehemaliger Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, Lehrerinnen und Lehrer<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus der Geschichte der Bruno-Hans-B\u00fcrgel-Grundschule in Eberswalde Im Jahr 2000 wurde feierlich das 100-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um unserer Schule begangen. Ein wichtiges Anliegen w\u00e4hrend der Vorbereitungen war u.a. die Aufarbeitung und Dokumentation der eigenen Schulgeschichte. Es stellte sich bei den Recherchen jedoch bald heraus, dass viele Schulunterlagen 1945 sowie bei der umfangreichen Rekonstruktion 1990\/91 verloren gegangen waren. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":117,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-50","page","type-page","status-publish","hentry","no-featured-image"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.buergel-schule-eberswalde.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/50","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.buergel-schule-eberswalde.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.buergel-schule-eberswalde.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.buergel-schule-eberswalde.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.buergel-schule-eberswalde.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=50"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.buergel-schule-eberswalde.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/50\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":763,"href":"https:\/\/www.buergel-schule-eberswalde.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/50\/revisions\/763"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.buergel-schule-eberswalde.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/117"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.buergel-schule-eberswalde.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=50"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}